Kontext des Filmes "Die Sünderin"
Kein Film der fünfziger Jahre hat die Gemüter so errregt, wie "Die Sünderin". Bei
dieser Kooperation von JFU und der Deutschen Styria-Filmgesellschaft mbH übernahm die JFU die
technische Durchführung. Für die Regie wurde Willi Forst verpflichtet, der auch die Idee für
das Drehbuch geliefert hatte.
Im Hinblick auf die späteren Proteste ist es interessant, dass bereits in der
Vorbereitungsphase die Brisanz des Stoffes erkannt und daher eine Einbeziehung der FSK, ebenso wie von
Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche in die Enstehung des Filmes beschlossen wurde. Ende
November 1950 wurde die Rohschnittfassung dann Vertretern der beiden Kirchen vorgeführt, die sich zwar
nicht begeistert von Ethik und Stoff zeigten, aber auch keine absolute Ablehnung erkennen liessen. Die FSK gab
den Film ohne Auflagen, lediglich mit der Empfehlung zweier Schnitte frei und verbot nur die Aufführung
vor Jugendlichen unter 16 Jahren und an stillen Feiertagen. Die empfohlenen Schnitte wurden nicht
vorgenommen, der Film wie geplant am 18.1.1951 uraufgeführt.
Wenige Tage nach der Uraufführung kündigten die Vertreter der Kirche ihre Mitarbeit in der FSK auf,
da sie ihre Interessen nicht mehr vertreten sahen. Im Folgenden wurden die Proteste der Kirchen und
kirchennaher Kreise so massiv, dass der Film in einigen Städten sogar polizeilich verboten wurde.
Trotzdem oder gerade deswegen sahen ca. fünf Millionen Menschen den Film in den ersten vier Monaten.
Die höchsten Besucherzahlen verzeichnete er Anfang März auf dem Höhepunkt der
Auseinandersetzungen; mit dem Abebben der Skandaldiskussion im Frühsommer gingen auch die
Besucherzahlen zurück. "Die Sünderin" war also dank der Proteste und Boykottaufrufe
der Kirchen ein Publikumserfolg geworden, zu dem er sich ohne diese ungewollte "Promotion" durch
seine Gegner wohl in diesem Maße nicht entwickelt hätte.